Stellungnahme der deutschen Gesellschaft für Urologie zur Prostatakrebsvorsorge

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Urologie

Hier können Sie die Stellungnahme durchlesen und sich über die neuesten Erkenntnisse zur Prostatakrebsvorsorge informieren:

ZU DEN PATIENTENINFORMATIONEN

Das Mikrobiom der Harnblase – ein Mysterium?

Der Mythos „sterile Blase oder keimfreier Urin“ hält sich bereits seit vielen Jahren hartnäckig. Doch modernste Technologien erlauben die Entdeckung ursprünglich schlecht oder nicht kultivierbare Bakterien, Mikroorganismen bzw.deren Abbaubbauprodukte in der Harnblase. Neue Studien beschreiben inzwischen ein komplexes Mikrobiom der Harnblase beim gesunden Menschen. Diese variieren je nach Alter und Geschlecht. Man vermutet jedoch ein gewisses „Kernmikrobiom“. Welche Funktion diese Keime übernehmen, ist allerdingt noch ungeklärt. Unterschiedliche protektive und stimulative Funktionen werden vermutet. Diskutiert werden:
  • elementare Rolle bei der Entstehung einer intakten Blasenschleimhaut
  • Produktion von antimikrobiellen Wirkstoffen
  • Verhinderung der Anhaftung von pathogenen Keimen an der Blasenschleimhaut
  • Erhalt der Schutzschicht der Blase
  • Stimulation der körpereigenen Immunabwehr.
Kommt es im Rahmen eines Harnwegsinfektes zum Einsatz von Antibiotika, werden nicht nur die Krankheitserreger bekämpft, sondern auch das schützende Mikrobiom der Blase angegriffen. In weiterer Folge kann es zu einer Massenvermehrung von Infektauslösenden Erregern ( z.Bsp. E.coli) kommen. Infolgedessen kann ein Teufelskreis  von wiederkehrenden Infektionen, Antibiotikatherapien und dadurch eine weitere Zerstörung des Blasenmikrobioms entstehen. Diese neuen Erkenntnisse legen nahe, dass auch ein Zusammenhang  zwischen geschädigten Blasenmikrobiom und überaktiver Blase sowie Inkontinenz bestehen. Ergebnisse laufender und künftiger Studien werden helfen, Hintergründe zu verstehen und neue schonendere Therapien für diese Blasenerkrankungen zu entwickeln. Ziel ist die Herstellung eines „gesunden“ Blasenmikrobioms und damit eine mögliche Heilung bzw. Linderung von chronisch Erkrankten.  

Lichen Sklerosus (LS) im Kindes- und Jugendalter

Eine unterschätzte Erkrankung!

Eine chronisch verlaufende Hauterkrankung des äußeren Genitals mit typischen Symptomen, Brennen, Jucken, Schmerzen. Die Häufigkeit des Auftretens im Kindesalter beträgt 0,1 %. Bei kindlichen Vorhautoperationen war der LS im Mittel in 35 % in der feingeweblichen Untersuchung zu finden. Klinisch zeigen sich bei Jungen weißlich-porzellanartige Veränderungen der Vorhaut, welche häufig mit Problemen beim Wasserlassen einhergehen. Bei Mädchen zeigen sich entzündlich – irritative Affektionen im Scheidenbereich, bei chronischen Verläufen entwickeln sich häufig Blasenentleerungstörungen.   Therapie:
  • akute Therapie : Clobetasolpropionat 0,05 %
  • Langzeit-Therapie: Mometason  mit mehrtägigen Pausen
  • „Off-Label“: Tacrolimus, Pimecrolimus
  • Beschneidung der Jungen mit anschließender 3-6 monatiger Cortisonbehandlung.
  • Supportive Massnahmen wie rückfettende Salben, Schutzsalben vor dem Toilettengang und weiche Unterwäsche sind sinnvoll
  • Mädchen benötigen immer eine konsequente Langzeitbetreung über die Pubertät hinaus.
  • Eine Langzeitnachsorge sollte mindestens 5-10 Jahre erfolgen!!!!
   

Dr. Google – Fluch oder Segen?

Nach der Diagnose eines Prostatakrebs suchen viele betroffene Männer Rat im Internet, um an zusätzliche Informationen zu gelangen.

Inwiefern unterschiedliche Informationsquellen die Unsicherheit und Angst beeinflussen , wurde nun in einer Studie mit 150 Männern mit Prostatakrebs untersucht: im Rahmen einer Beobachtungsstudie wurden die Probanden hinsichtlich soziodemographische Unterschiede, Anzahl und Art der verwendeten Informationsquellen, selbst empfundener Informiertheit und krankheitsspezifischer Angst befragt.

Die Ergebnisse zeigten, dass bereits viele Männer das Internet als Informationsquelle nutzen und Onlinesuche mit einer erhöhten Krankheitsangst assoziert ist.

Ein  Fazit ist, dass Angst und Unsicherheit reduziert werden könnten, wenn Ärzte ihre Patienten bei der Auswahl von verlässlichen Online-Quellen beraten würden.

Deutsche Gesellschaft für Urologie

Neues von der DGU 2019

Von 18.-21.09 fand in Hamburg der diesjährige Kongress der „Deutschen Gesellschaft für Urologie“ statt. Einige interessante Erkenntnisse haben wir wieder für Sie mitgebracht!   Die offene Prostataadenomentfernung bei der gutartigen Vergrößerung zeigt trotz des größeren Eingriffes gegenüber der Aushobelung der Drüse über die Harnröhre eine moderate Komplikationsrate sowie eine kurze Operationsdauer. Damit bleibt dieses Verfahren eine sichere Behandlungsmöglichkeit bei größeren Prostatadrüsen.  ( Karstens et al. aus Hombur)   Flächige und mit bloßen Auge schwer erkennbare ( v.a.  hochaggressive )Blasentumore können durch photodynamische Diagnostik signifikant öfter diagnostiziert werden in der Blasenspiegelung  als unter gewöhnlichen Weißlicht. ( Spachmann et al aus Regensburg)   Eine Untersuchung an 159 Patienten mit  gutartiger Prostatavergrößerung, welche sich einer transurethralen Adenomentfernung über die Harnröhre unterzogen, ergab, dass alle 3 Verfahren ( Holmiumlaser- Thuliumlaser- bipolare Enukleation) hinsichtlich Operationssicherheit und – effizienz gleichwertig waren. Alle 3 Operationsmethoden führen nach 6 Monaten zu einer signifikanten  Verbesserung des Wasserlassens. ( Westhofen et al. aus München)   Eine Studie konnte nachweisen, dass Patienten mit einem behandelten  lokal begrenzen Prostatakrebs und einem aggressiven Tumorwachstum, signifikant niedrigere Testosteronwerte aufwiesen und dieses war assoziert mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten der Erkrankung.( Schnöller et al aus Augsburg)   Eine Chemotherapie mit Carboplatin bei Patienten mit Hodentumor führt im Langzeitverlauf nicht zur Häufung von Herzkreislauferkrankungen und Unfruchtbarkeit, jedoch konnte eine höhere Rate an Zweitkrebserkrankungen gefunden werden. ( Dieckmann et al aus Hamburg)   Entfernung von gutartigen Prostatadrüsengewebe  mit Wasserstrahl („Aquabeamer“) zeigte im 2-Jahres -Nachbeobachtungszeitraum  ähnlich gute Ergebnisse wie die herkömmliche Operationstechnik ( Gilling et al aus Harburg )   Vaginale Lasertherapie bei leichter Stressinkontinenz ist ein sicheres und effektives Verfahren, ergänzend zu den bestehenden Verfahren. Für eine eindeutige Empfehlung fehlen jedoch noch robustere wissenschaftlichere Studien.   Ein Vakzin und eine neue Anti-Biofilm- Substanz gegen Bakterien  im Rahmen von Harnwegsinfekten wurden präsentiert. Diese sind in der Lage den Erreger auszuschalten, ohne dass Antibiotika eingesetzt werden müssen. ( Würnschimmel et al aus München)   Die tägliche Einnahme von Tadalafil 5 mg  nach Prostatakrebsoperationen führt zu einem signifikanten Erhalt der nächtlichen Erektionen, welches wiederum mit einer deutlichen Verbesserung der erektilen Gesamtfunktion nach 24 Monaten korreliert ist. ( Bannowsky et al aus Hannover)   Die Stosswellentherapie bei Induratio penis plastica konnte eine positive Wirkung bezüglich Schmerzlinderung in einer Studie mit 102 Patienten nachweisen, jedoch keine Verbesserung der Penisverkrümmung oder der Sexualfunktion ( Sokolakis et al aus Würzburg)

Kurz und Knapp

1.Jedes Jahr kommt es weltweit zu 376 Millionen neue Infektionen mit Trichomonaden, Chlamydien, Gonokkokken oder Syphilis ( basierend auf 130 Studien) Die WHO spricht von einer stillen Epidemie mit zunehmenden Antibiotikaresistenzen. 2. Eine Infektion mit dem humanen Papillomvirus bei Männern wirkt sich negativ auf deren Spermienqualität aus. Frauen, die im Rahmen einer intrauterinen Insemination mit Spermien eines HPV positiven Partners befruchtet wurden, erreichten deutlich seltener eine Schwangerschaft ( um den Faktor 4). 3. In einer neuen randomisierten doppelblinden Phase -III-Studie mit 660 Frauen mit akuten unkomplizierten Blasenentzündung konnte nachgewiesen werden, dass eine pflanzliche Dreierkombinationstherapie einer Antibiotikatherapie nicht unterlegen ist und seltener mit Magen/Darmbeschwerden einhergeht. 4. Der gemeinsame Bundesausschuss hat nach Empfehlung der STIKO die Impfung gegen Gürtelrose ( Herpes zoster) mit in die Schutzimpfungsrichtlinie aufgenommen und ist seit 1.05.19 rechtskräftig. Somit können sich alle Patienten über 60 Jahre impfen lassen auf Kosten der GKV. Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen ( Diabetes,) können bereits ab dem 50 Lebensjahr geimpft werden. 5. Studien haben ergeben, dass ein beachtliches Risiko für die Sexualentwicklung vor allem bei hohen Alkoholkonsum, besteht. Alkohl kann die Produktion von Sexualhormonen stören und daher die Hodenentwicklung ungünstig beeinflussen. Nicht auszuschließen ist , dass kleinere Hoden zu einem gesteigerten Riskoverhalten führen kann. 6. Patienten, die zu Nierensteinen neigen, können problemlos Wasser aus der Leitung trinken. Der danach beobachtete Kalziumanstieg im Urin alleine begünstigt nicht die Bildung von Kalziumsteinen.

Krebsrisiko bei Sportlern ist geringer

In den letzten 15 Jahren wurden vermehrt wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von körperlicher Aktivität in Vorbeugung, aber auch in der Behandlung und Rehabilitation von Krebserkrankungen durchgeführt. Große Studien zeigen, dass Menschen, die körperlich aktiv sind, seltener an Krebs erkranken als inaktive Personen. Die relative Krebssenkung wird je nach Krebsart mit bis zu 30 % angegeben. Die Vermeidung von Übergewicht, Reduktion des Körperfettes und Aufbau von Muskelmasse spielen eine massgebliche Rolle. Gemäß der Zahlen der deutschen Krebsgesellschaft sind circa 7 % aller Krebsdiagnosen auf falsche Ernährung und 6 % auf mangelnde körperliche Betätigung zurück zuführen. Regelmäßiger Sport in Form von Ausdauertraining hat neben einer Reduktion des Körpergewichts auch regulierende Effekte auf chronische Entzündungsprozesse, auf das Immunsystem und auf körpereigene Reparaturmechanismen. In vielen großen wissenschaftlichen Studien konnte dies bereits bewiesen werden.

Macht Fahrradfahren impotent?

Radfahren ist eine der beliebtesten Sportarten in Deutschland. Jedoch kamen in den letzten Jahrzenten immer wieder Studien auf, welche bezüglich Potenzproblemen und Radfahren widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Dr.med. Stefan Staudte, Urologe und Bike-Experte, hat sich mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt. Aus seiner Sicht ist das Auftreten einer erektilen Dysfunktion in Zusammenhang mit dem Fahrradfahren eher selten, jedoch möglich, jedoch meist vorübergehender Natur: am ehesten bekommen  Sportler Probleme, die sehr lange und intensive Touren fahren und die Wahrnehmung von Schmerzen bzw. ungünstigen Sitzpositionen verdrängen. Die genaue Ursache ist bisher noch unklar: es wird vermutet, dass durch verstärkten Druck auf den Damm es zu einer verminderten Durchblutung des Schwellkörpers kommt und es längerfristig zur Neubildung von minderwertigen Bindegewebe kommt. Eine vorbeugende Maßnahme ist, dass jeder Fahrradfahrer für sich den geeigneten Sattel anpassen lässt. Die Sattelauswahl sollte so erfolgen, dass der Sattel keinen Druck auf den Damm unterhalb des Schambeins ausüben kann und der Sitzdruck auf die Sitzbeinhöcker verlagert wird. Dies schont ebenso den Nervus pudendus, welcher ebenso geschädigt werden kann durch einen fehlerhaften Sattel. Besonders Patienten mit urologischen Voroperationen sollten zusätzlich eine Druckanalyse i.R. der Sattelanpassung durchführen lassen, um langfristige Schäden und Beschwerden zu vermeiden.

Schnelltest für den Nachweis von Antikörpern gegen HPV 16

NEU FÜR SIE IN UNSERER PRAXIS!

Prevo- Check – der Schnelltest für den Nachweis von Antikörpern gegen HPV 16 -Viren im Blut

Humane Papillomviren sind Auslöser für viele unterschiedliche Erkrankungen, wie beispielsweise Genitalwarzen, Gebärmutterhalskrebs, aber auch Karzinome im Mund-Rachen-Raum. Während Frauen überwiegend von Anogenitalkarzinomen betroffen sind, erkranken Männer in Deutschland in erster Linie an Mund-Rachen-Krebs. Noch bis vor einigen Jahren waren Alkohol und Rauchen die häufigsten Ursachen für diese Krebsart. Inzwischen werden die meisten Fälle durch HPV 16 ausgelöst, möglicherweise als Folge eines veränderten Sexualverhaltens. Im Frühstadium sind Kopf-Hals-Tumore meist symptomlos, aber die Früherkennung dieser Tumore ist massgeblich für eine gute Prognose. Mit einem neuen immunologischen Schnelltest können HPV-bedingte Krebsvorstufen und Karzinome in Frühstadium sicher entdeckt werden. Für die Durchführung wird nur ein Tropfen Blut benötigt, das Ergebniss liegt innerhalb von 30 Minuten vor. Ein negatives Ergebnis zeigt, dass keine Anzeichen für eine Tumorentstehung durch HPV 16 gefunden wurde. Ein positives Ergebnis bedeutet, dass es wahrscheinlich zu Zellveränderungen gekommen ist und eine urologische/ gynäkologische Abklärung erforderlich ist und ein HNO-Arzt den Mund-Rachen-Raum inspizieren sollte! Ist eine Behandlung notwendig, ist diese noch meist gut behandelbar und erfolgreich! Falls Sie diese Vorsorge wünschen, sprechen Sie uns gerne darauf an!